Karla und der Mond

Karla wacht früh auf und springt aus dem Bett.

„Guten Morgen Welt!“, ruft Karla aufgeregt. „Heute wird ein ganz besonderer Tag. Ich werde in die Fußstapfen von großen Astronauten treten.“

Heute will Karla den Mond erforschen.

Sie sieht auf ihren Kalender. „Und heute hat meine Oma in Schottland Geburtstag. Vielleicht kann ich sie nach meiner Reise besuchen.“

Mit klopfendem Herzen steigt Karla in ihre Rakete „Sternenblitz“.

„Guten Morgen, Karla“, begrüßt sie der Bordcomputer. „Bereit für den Mond?“

„Guten Morgen“, gibt Karla fröhlich zurück. „Ja, ich bin bereit.“

 

Die Rakete startet mit einem lauten Rumpeln. Die Erde wird kleiner und kleiner und vor Karla erscheint der Mond. Sie kann deutlich die dunklen Flecken erkennen, die sie schon so oft von der Erde aus bewundert hat.

Je näher sie dem Mond kommt, desto mehr Krater sieht Karla auf der Mondoberfläche. Große, kleine und sehr tiefe mit hohen Kraterwänden.

„So viele Löcher“, staunt sie. „Warum ist das so? Auf der Erde gibt es sie nicht.“

Karlas Rakete landet auf der Mondoberfläche. Als Karla die Raketentür öffnet, staunt sie. Die gesamte Oberfläche des Mondes ist mit Staub überzogen. Vorsichtig steigt Karla aus der Rakete und macht ihren ersten Schritt auf den Mond. Ihr Fußabdruck ist in dem grauen, staubigen Boden deutlich zu sehen.

„Dieser Abdruck wird nicht vom Wind verweht werden“, denkt sie, „und immer hier bleiben.“

 

Karla macht einen Schritt auf dem Mond, dann noch einen. Plötzlich springt sie viel höher als geplant!

„Whoooaaa!“, ruft sie überrascht und schwebt durch die Luft. Ganz langsam sinkt sie wieder zu Boden.

Sie lacht laut. „Ich bin so leicht! Ich kann hier einfach so herumhüpfen.“

Mit einem großen Hopser fliegt sie drei Meter weit. „Ich bin ein Mond-Känguru!“, lacht Karla und hüpft begeistert weiter.

Karla hüpft weiter und bemerkt dabei nicht, dass am Himmel etwas aufblitzt.

Plötzlich piept es laut in ihren Kopfhörern.

„Vorsicht Karla“, ruft ihr Bordcomputer über den Funk.

Karla bleibt stehen. Etwas helles schießt über ihrem Kopf hinweg.

„Was war das?“, ruft sie erschrocken.

 

Ein heftiges Beben erschüttert den Boden. Obwohl es draußen totenstill ist, spürt Karla das Grollen in ihren Stiefeln. Grauer Staub spritzt wie eine Fontäne hoch und Karla sieht nichts mehr. Sie folgt dem Piepen in ihrem Helm und rettet sich in die Rakete. Ihr Herz klopft laut.

Durch das Fenster sieht sie, wie der Staub in hohem Bogen zurücksinkt – fast wie in Zeitlupe. Dann ist es wieder vollkommen still, als wäre nichts passiert.

„Was war das?“, fragt sie erschrocken.

„Ein Meteoroid, der auf dem Mond eingeschlagen ist“, erklärt der Bordcomputer. „Er hat den Staub aufgewirbelt.“

„Schau, der Staub rieselt langsam wieder auf die Mondoberfläche zurück“, beobachtet Karla.

„Es gibt keinen Wind, der den Staub wegblasen könnte“, erklärt der Bordcomputer.

„Es sieht seltsam aus“, bestaunt Karla.

Langsam wird die Sicht wieder frei und Karla erkennt , dass sich ein neuer Berg vor ihr gebildet hat. Sie steigt wieder aus der Rakete und klettert den Berg hinauf.

„Es ist gar kein Berg, es ist ein Krater und ich stehe auf dem Kraterrand“, ruft sie erstaunt. „In der Mitte liegt zerbrochenes Gestein.“

Karla geht in den Krater hinein und schaut sich um.

„Vielleicht kann man ihn von der Erde sehen“, denkt sie.

Sie notiert die Stelle in ihrem kleine Notizbuch. „Jetzt kann ich dich wiederfinden.“

 

Der Mond wirkt nun wieder sehr ruhig. Aber Karla weiß jetzt: „Hier passiert mehr, als man denkt. Der Mond verändert sich ständig.“ Karla steigt wieder in ihre Rakete. „Ich will noch wissen, warum der Mond von der Erde aus immer anders aussieht?“, sagt sie.

„Das finden wir heraus“, sagt der Bordcomputer entschlossen.

Karla fliegt mit der Rakete weiter um den Mond herum, bis sie an die Grenze kommt, wo die Mondoberfläche im Dunkeln liegt. Von hier aus, kann Karla die Sonne nicht mehr sehen.

„Hier ist es ganz dunkel“, sagt Karla.

„Genau, wir sind jetzt auf der Seite, die gerade nicht von der Sonne angestrahlt wird, der Nachtseite“, erklärt der Bordcomputer. „Diese Seite sehen wir von der Erde aus nicht, weil sie dunkel ist.“

„Und deshalb sehen wir den Mond nicht immer als Vollmond. Das muss ich untersuchen“, beschließt Karla.

Sie holt ihren Apfel und eine Mandarine aus ihrem Rucksack.

„Der Apfel ist die Sonne und die Mandarine die Erde“, beschließt sie. Sie zerknüllt ein Blatt Papier in sechs kleine Kugeln und legt die um die Mandarine.

„Das ist der Mond, er dreht sich in einem Monat einmal um die Erde, und dabei ändert sich sein Aussehen. Mal ist er Vollmond und dann Halbmond“, beschreibt Karla ihre Beobachtungen.

Sie nimmt ihre Taschelampe und legt sie neben den Apfel. Die Taschenlampe strahlt die Mandarine und die kleinen Papierkugeln an.

Karla beugt sich über das Experiment und schaut von oben auf die Papierkugeln.

„Hmm“, wundert sie sich. „Von hier oben sehe ich alle Monde gleich hell angestrahlt. Das kann nicht richtig sein.“

Sie probiert verschiedene Positionen der Papierkugeln, aber von oben sehen alle gleich aus.

„Irgendwas mache ich falsch. Vielleicht sind die Kugeln zu klein?“, überlegt sie. „Ich werde es mit Oma untersuchen. Sie hat immer gute Ideen.“

Sorgfältig schreibt Karla ihre Beobachtungen auf.

„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“, ruft Karla und umarmt ihre Oma herzlich.

„Danke! Wie war deine Reise?“, fragt ihr Oma

„Gut, aber ich verstehe einfach nicht, wie die Mondphasen zustanden kommen“, grübelt Karla.

„Komm erstmal herein, wir trinken Tee und dann sehen wir uns das Problem gemeinsam an“, schlägt ihre Oma vor.

Bei Tee und Kuchen erzählt Karla, was sie nicht versteht. „Es ist immer ein Vollmond. Vielleicht sind die Papierkugeln einfach zu klein.“

„Vielleicht brauchen wir große Steine. Lass uns zum Steinkreis gehen“, schlägt ihre Oma vor.

Der Steinkreis besteht aus fast kugelförmigen Steinen, die in einem großen Kreis angeordnet sind. Karla liebte diesen Ort.

„Ich bin die Sonne und du die Erde, stell dich bitte in die Mitte“, sagte Karla und hält ihre Taschlamp auf die Steine und ihre Oma gerichtet.

Doch enttäuscht muss Karla sehen, dass jeder Stein gleich angestrahlt wird.

„Es klappt nicht“, sagt Karla traurig.

„Stell dich hier hin!“, ruft ihre Oma.

Karla stellt sich in die Mitte des Steinkreises.

Sie schließt kurz die Augen, atmet tief ein und öffnet sie wieder.

Sie schaut einen Stein direkt an…

…und da passiert etwas Magisches!

Ein Stein sieht ganz hell aus – Vollmond!

Sie dreht sich ein Stück weiter.

Der nächste Stein ist nur zur Hälfte hell – Halbmond!

Noch weiter: Eine schmale Sichel!

Und ein Stein ist komplett dunkel – Neumond!

Karlas Augen leuchten. „Jetzt verstehe ich es!“, jubelt sie.

„In der Rakete habe ich von OBEN auf die Monde geschaut. Aber von der Erde sehen wir den Mond von der SEITE!“

„Es war nur die falsche Perspektive, wie so oft“, flüstert sie. „Manchmal muss man den Standort wechseln. “

Am Abend schaut Karla in den Himmel. Der Mond leuchtet als Sichel und sie weiß jetzt, warum.

„Gestern wusste ich es nicht“, denkt Karla. „Gestern war der Mond noch ein Rätsel. Und das war schön.“

Sie lächelt. Nichtwissen ist nicht schlimm. Nichtwissen ist der Anfang jeder Entdeckung. Ohne Fragen gibt es keine Antworten.

„Die Welt ist voller Geheimnisse, die darauf warten, verstanden zu werden. Und ich werde immer neugierig bleiben. Gute Nacht, Mond“, flüstert Karla.

Das illustrierte Kinderbuch liegt als Kindle-Version vor und vermittelt mithilfe von Infoboxen astrophysikalische Phänomene und Zusammenhänge altersgerecht für Kinder.

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